Die Stellung des "alten Gesetzes" im Heilsplan

Veröffentlicht am 10.05.2022

Katechismus - Was bedeuten die Gebote des alten Testaments für Christen? Für unsere Beziehung zu Jesus Christus und unser Leben mit Gott?

Die Tradition der Kirche nennt die Gebote des Alten Testaments auch das "alte Gesetz". Für Christen ist dieses Gesetz die erste Stufe der Selbstoffenbarung Gottes. Dr. Achim Dittrich vom Institutum Marianum in Regensburg führt in dieser Sendung in eine schwierige, aber unerlässliche Katechismusfrage ein. 

Die Stellung des "alten Gesetzes" im Heilsplan

Katechismus um 16:30 Uhr mit Moderator Gregor Dornis und Pfarrvikar Dr. Achim Dittrich, Institutum Marianum Regensburg

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1961 Gott, unser Schöpfer und Erlöser, hat sich Israel zu seinem Volk erwählt und ihm sein Gesetz geoffenbart. So hat er das Kommen Christi vor bereitet. Das mosaische Gesetz bringt mehrere Wahrheiten zum Ausdruck, die der Vernunft von Natur aus einsichtig sind, jedoch innerhalb des Heilsbundes bekanntgemacht und beglaubigt wurden.

1962 Das alte Gesetz ist die erste Stufe des geoffenbarten Gesetzes. Seine sittlichen Vorschriften sind in den zehn Geboten zusammengefaßt. Die Gebote des Dekalogs legen die Grundlagen der Berufung des Menschen, der nach dem Bilde Gottes geschaffen ist. Sie untersagen, was gegen die Liebe zu Gott und zum Nächsten verstößt, und schreiben vor, was für sie wesentlich ist. Der Dekalog ist ein Licht für das Gewissen jedes Menschen, um ihn auf den Ruf und die Wege Gottes hinzuweisen und ihn vor dem Bösen zu schützen.

  • "Gott hat auf die Gesetzestafeln das geschrieben, was die Menschen nicht in ihren Herzen lasen" (Augustinus, Psal. 57,1).

1963 Gemäß der christlichen Überlieferung ist das heilige [Vgl. Röm 7,12], geistige [Vgl. Röm 7,14] und gute [Vgl. Röm 7,16] Gesetz noch unvollkommen. Wie ein Lehrmeister [Vgl. Gal 3,4] zeigt es uns, was zu tun ist, gibt aber nicht von sich aus die Kraft, die Gnade des Heiligen Geistes, zu seiner Erfüllung. Weil es die Sünde nicht wegnehmen kann, bleibt es ein Gesetz der Knechtschaft. Dem hi. Paulus zufolge hat es insbesondere die Aufgabe, die Sünde anzuklagen und ans Licht zu bringen, die im Herzen des Menschen ein Gesetz der Begierlichkeit bildet [Vgl. Röm 7]. Immerhin bleibt das Gesetz auf dem Weg zum Gottesreich die erste Stufe. Es bereitet das auserwählte Volk und jeden Christen auf die Bekehrung und den Glauben an den rettenden Gott vor. Es bietet eine Lehre, die - wie das Wort Gottes - für immer besteht.

1964 Das alte Gesetz ist eine Vorbereitung auf das Evangelium. „Das Gesetz war eine Pädagogik und eine Weissagung der zukünftigen Güter" (Irenäus, hæer. 4,15,1). Es kündigt das Werk der Befreiung von der Sünde an, das mit Christus vollendet wird; es liefert dem Neuen Testament die Bilder, „Typen", Symbole, um das Leben nach dem Geiste zu veranschaulichen. Das Gesetz wird vervollständigt durch die Lehre der Weisheitsbücher und der Propheten, die es auf den Neuen Bund und das Himmelreich ausrichten.

  • "Manche, die in der Zeit des Alten Bundes lebten, hatten die Liebe und die Gnade des Heiligen Geistes und erwarteten hauptsächlich geistige und ewige Verheißungen; und insofern gehörten sie zum neuen Gesetz. - Ebenso sind im Neuen Testament manche fleischliche Menschen noch nicht zur Vollkommenheit des neuen Gesetzes gelangt. Diese mußten auch im Neuen Testament durch Furcht vor Strafen und durch gewisse zeitliche Verheißungen zu den Tugendwerken geführt werden. Wenn das alte Gesetz auch die Gebote der Liebe gab, so wurde durch es doch nicht der Heilige Geist verliehen, durch den ‚die Liebe in unsere Herzen ausgegossen ist‘ (Röm 5,5)" (Thomas v. A., s. th. 1 -2,107,1, ad 2).

(Quelle: vatican.va)

Buchtipp:

Achim Dittrich

Mater Ecclesiae - Maria, Mutter der Kirche.

fe-medien 2019

ISBN: 978-3-7171-1271-6

64 Seiten, Paperback

€ 3,95

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Der Referent:

Dr. Achim Dittrich ist Theologe mit Spezialgebiet Mariologe (Lehre von Maria). Er war ein Schüler unter anderem von Gerhard Kardinal Müller. Er hat wesentliche akademische Arbeiten zur Mariologie, besonders zum Ehrentitel "Maria - Mutter der Kirche" geleistet. Seit 1999 ist Achim Dittrich Priester der Diözese Speyer und Pfarrer in drei Seelsorgeeinheiten. Seit 2020 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Regensburger Institutum Marianum. Mehr über dieses Institut finden Sie auf der Webseite des Institutum Marianum.

Dr. Dittrich hat im Jahr 2020 das sechsbändige Standardlexikon zur sogenannten Mariologie, d. h. der kirchlichen Lehre von Maria, das Marienlexikon online zugänglich gemacht.

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